China droht der EU im Streit um MediaMarkt

Der geplante Einstieg des chinesischen Onlinehandelskonzerns JD.com bei der deutschen Handelsgruppe Ceconomy entwickelt sich zu einem offenen Machtkampf zwischen Peking und Brüssel. China hat der Europäischen Union unmissverständlich mit Gegenmaßnahmen gedroht, sollte die EU ihre Untersuchung der geplanten Übernahme weiter vorantreiben.

Im Zentrum des Streits steht ein Geschäft im Wert von rund 2,2 Milliarden Euro. JD.com will die Kontrolle über Ceconomy übernehmen – und damit indirekt über die bekannten Elektronikhändler MediaMarkt und Saturn.

Was zunächst wie eine klassische Prüfung eines internationalen Unternehmenskaufs aussah, nimmt inzwischen eine deutlich größere politische Dimension an. Peking stellt die Rechtmäßigkeit des europäischen Vorgehens infrage und versucht zugleich, den Zugang der EU zu Informationen aus China zu blockieren.

Peking verschärft den Ton drastisch

Das chinesische Justizministerium hat Organisationen und Einzelpersonen in China angewiesen, bestimmte Auskunftsersuchen der EU nicht zu unterstützen. Gleichzeitig bezeichnete Peking die europäischen Ermittlungsmaßnahmen als unzulässige extraterritoriale Einmischung.

Die Botschaft aus China ist dabei ungewöhnlich scharf: Sollte Brüssel seine Vorgehensweise fortsetzen, werde China „entschlossen reagieren“.

Damit wird aus einer regulatorischen Auseinandersetzung zunehmend ein Konflikt über staatliche Souveränität und die Grenzen europäischer Regulierung. China wirft der EU vor, in China gespeicherte Informationen in einem Umfang zu verlangen, der aus Pekinger Sicht nicht gerechtfertigt ist.

EU untersucht mögliche chinesische Staatshilfe

Die EU-Kommission beschäftigt sich nicht ohne Grund so intensiv mit der Übernahme. Brüssel untersucht, ob JD.com von finanziellen Vorteilen des chinesischen Staates profitiert haben könnte.

Im Mittelpunkt stehen mögliche:

  • günstige Finanzierungen
  • Steuervergünstigungen
  • staatliche Zuschüsse
  • weitere finanzielle Vorteile durch chinesische Behörden

Die entscheidende Frage lautet, ob solche Hilfen JD.com in die Lage versetzt haben könnten, auf dem europäischen Markt einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern zu erlangen.

Die EU-Kommission hat die vertiefte Untersuchung im Mai 2026 eingeleitet. Grundlage ist die europäische Foreign Subsidies Regulation, mit der Brüssel ausländische staatliche Unterstützung untersuchen kann, wenn sie den Wettbewerb im EU-Binnenmarkt möglicherweise verzerrt.

JD.com weist die Bedenken zurück

Der chinesische Konzern bestreitet die gegen ihn gerichteten Bedenken. Für JD.com steht bei dem Geschäft weit mehr auf dem Spiel als lediglich der Kauf eines deutschen Handelsunternehmens.

Die Übernahme würde dem chinesischen Onlinehändler einen direkten Zugang zu einem großen europäischen Elektronikgeschäft verschaffen. MediaMarkt und Saturn verfügen über ein umfangreiches stationäres und digitales Vertriebsnetz.

Damit könnte JD.com seine europäische Präsenz erheblich ausbauen und gleichzeitig seine Onlinekompetenz mit einem etablierten stationären Handelsgeschäft verbinden.

Gerade diese strategische Bedeutung macht die Transaktion für Brüssel besonders interessant.

2,2 Milliarden Euro sorgen für zusätzlichen Sprengstoff

Das Angebot von JD.com bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro. Hinter dem Namen Ceconomy verbirgt sich der Konzern, zu dem MediaMarkt und Saturn gehören.

Für JD.com wäre der Kauf ein bedeutender Schritt bei der Expansion nach Europa. Für die EU geht es dagegen um die Frage, ob ein chinesischer Konzern beim Erwerb eines europäischen Unternehmens möglicherweise von staatlichen Finanzmitteln profitiert.

Damit treffen zwei Interessen unmittelbar aufeinander:

JD.com will expandieren – Brüssel will sicherstellen, dass dieser Expansionskurs nicht durch ausländische Subventionen verzerrt wird.

Bundeskartellamt hat den Deal bereits freigegeben

Eine wichtige Hürde hat die geplante Übernahme in Deutschland bereits genommen. Das Bundeskartellamt hat dem Vorhaben zugestimmt.

Damit ist die europäische Prüfung allerdings nicht erledigt.

Die Untersuchung der EU-Kommission läuft unabhängig vom deutschen kartellrechtlichen Verfahren. Brüssel betrachtet dabei einen anderen Aspekt: Nicht nur die Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb sind relevant, sondern auch die mögliche Rolle ausländischer staatlicher Unterstützung.

Das erklärt, warum ein Geschäft trotz nationaler Freigabe weiterhin auf europäischer Ebene unter erheblichem Druck stehen kann.

Brüssel verlangt Informationen aus China

Genau hier entzündet sich der aktuelle Streit.

Die EU benötigt Informationen, um nachvollziehen zu können, welche finanziellen Beziehungen zwischen JD.com und chinesischen staatlichen Stellen bestehen. Peking hält die Anforderungen jedoch für überzogen.

Das chinesische Justizministerium spricht von „umfangreichen und unnötigen“ Informationen, die aus China verlangt würden.

China betrachtet das Vorgehen als Eingriff in seine Zuständigkeit. Die EU wiederum argumentiert, dass Unternehmen, die im europäischen Binnenmarkt tätig werden oder dort bedeutende Unternehmen übernehmen wollen, den europäischen Prüfregeln unterliegen.

Damit prallen zwei Rechtsauffassungen frontal aufeinander.

Peking blockiert die Zusammenarbeit

Besonders brisant ist die chinesische Anweisung an Organisationen und Einzelpersonen, die EU bei bestimmten Informationsanforderungen nicht zu unterstützen.

Für die europäische Untersuchung kann das erhebliche praktische Konsequenzen haben. Wenn wichtige Dokumente, Finanzierungsdaten oder Informationen über staatliche Unterstützung nicht verfügbar sind, wird es für Brüssel schwieriger, die Untersuchung auf einer vollständigen Faktenbasis abzuschließen.

Gleichzeitig verschärft sich dadurch das Risiko, dass die EU und China in einen regulatorischen Konfrontationskurs geraten.

JD.com bietet Brüssel inzwischen Zugeständnisse an

Parallel zur Eskalation zwischen Peking und Brüssel bewegt sich auch JD.com auf europäischer Ebene. Der Konzern hat der EU inzwischen Abhilfemaßnahmen vorgeschlagen, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken im Zusammenhang mit der Ceconomy-Übernahme auszuräumen.

Damit versucht JD.com offenbar, die regulatorischen Risiken des Deals zu entschärfen und die Zustimmung der EU zu erreichen.

Für den Konzern entsteht dadurch eine ungewöhnliche Situation: Während die chinesische Regierung das europäische Prüfverfahren scharf angreift, versucht JD.com gleichzeitig, innerhalb dieses Verfahrens eine Lösung mit Brüssel zu finden.

Entscheidung soll bis Oktober fallen

Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die EU-Kommission bis zum 2. Oktober 2026 über den Fall entscheiden, sofern sich der Zeitplan nicht durch weitere Verfahrensschritte verändert.

Brüssel könnte dabei verschiedene Wege einschlagen:

  • den Deal freigeben
  • eine Genehmigung mit Auflagen verbinden
  • weitere Verpflichtungen von JD.com verlangen
  • oder die Übernahme untersagen, falls Wettbewerbsverzerrungen nicht ausreichend beseitigt werden

Damit bleibt der Ausgang offen.

Aus einem Kauf wird ein geopolitischer Test

Die Dimension des Konflikts reicht inzwischen deutlich über MediaMarkt und Saturn hinaus.

Für die EU steht die Glaubwürdigkeit ihrer Regeln gegen ausländische Subventionen auf dem Spiel. Brüssel will verhindern, dass staatlich unterstützte Unternehmen aus Drittstaaten mit finanziellen Vorteilen in den europäischen Binnenmarkt drängen.

Für China wiederum geht es um die Frage, wie weit europäische Behörden bei Untersuchungen in chinesische Rechts- und Informationsräume hineinreichen dürfen.

Der Fall Ceconomy wird damit zu einem Test für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und der EU.

Und der Ton aus Peking zeigt, wie ernst die chinesische Regierung den Konflikt inzwischen nimmt: Sollte Brüssel nicht einlenken, stehen Gegenmaßnahmen im Raum.

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