Bärenmarke-Produzent Almil meldet Insolvenz an

Die Zukunft eines traditionsreichen Milchstandorts im oberbayerischen Polling ist ungewiss. Die Almil AG (Allgäuer Alpenmilchwerk) hat am 18. August 2026 beim Amtsgericht Mühldorf am Inn einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Damit gerät ein Unternehmen unter erheblichen wirtschaftlichen Druck, das am Standort Weiding über Jahre hinweg unter anderem die bekannte Bärenmarke-Kondensmilch produzierte.

Besonders betroffen sind die Beschäftigten. Rund 110 Mitarbeiter arbeiten bei Almil. Zwar soll der Betrieb zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen, doch die Insolvenz wirft unweigerlich die Frage auf, ob der Standort dauerhaft erhalten werden kann.

Für die Belegschaft ist die Situation besonders belastend, weil die Zukunft des Werks bereits in den vergangenen Jahren mehrfach unsicher war. Nun steht erneut die Frage im Raum, ob der traditionsreiche Produktionsstandort eine langfristige Perspektive besitzt.

Insolvenzverfahren soll Sanierung ermöglichen

Almil hat ausdrücklich einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das Verfahren unterscheidet sich von einer klassischen Insolvenz dadurch, dass die bisherige Unternehmensführung zunächst im Amt bleibt und die Sanierung selbst steuern kann.

Das bedeutet: Der Vorstand gibt die Kontrolle über das Unternehmen nicht vollständig aus der Hand. Gleichzeitig wird ein Sachwalter eingesetzt, der das Verfahren überwacht und die Sanierungsbemühungen begleitet.

Nach Angaben des Unternehmens soll der laufende Betrieb zunächst unverändert fortgesetzt werden.

Gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärte Almil:

„Es wurde frühzeitig und aus eigener Initiative ein Sanierungsprozess eingeleitet, um die wirtschaftliche Zukunft nachhaltig zu sichern.“

Für Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter gebe es derzeit keine Veränderungen, teilte das Unternehmen weiter mit.

Damit versucht Almil deutlich zu machen, dass die Insolvenz zunächst nicht mit einem Produktionsstopp gleichzusetzen ist. Das Verfahren soll vielmehr Zeit und finanziellen Spielraum schaffen, um das Unternehmen neu aufzustellen.

110 Arbeitsplätze hängen an der Sanierung

Für die rund 110 Beschäftigten ist die finanzielle Absicherung zunächst geregelt. Die Mitarbeiter erhalten ihre Gehälter bis einschließlich Oktober 2026 über das Insolvenzgeld.

Diese Leistung der Arbeitsagentur kann Arbeitnehmer im Insolvenzfall für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten absichern.

Damit bleibt den Beschäftigten kurzfristig eine wichtige finanzielle Sicherheit. Über die langfristige Entwicklung ihrer Arbeitsplätze sagt die Zahlung jedoch nichts aus.

Entscheidend wird sein, ob Almil im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens ein tragfähiges Sanierungskonzept entwickeln kann und ob sich für den Standort Weiding dauerhaft eine wirtschaftliche Perspektive ergibt.

Weiding produziert seit Jahren Bärenmarke

Der Standort im Pollinger Ortsteil Weiding ist eng mit der Marke Bärenmarke verbunden. Bis zuletzt wurde dort die bekannte Kondensmilch hergestellt.

Bärenmarke zählt zu den etablierten deutschen Marken im Milchsegment. Die Produkte sind seit Jahrzehnten im deutschen Lebensmittelhandel bekannt. Für den Standort Weiding bedeutet die Verbindung mit der Marke deshalb mehr als lediglich einen einzelnen Produktionsauftrag.

Die Geschichte des Werks ist allerdings von mehreren Veränderungen geprägt. Die Zukunft des Standorts war bereits früher nicht immer gesichert.

Heute stellt Almil neben länger haltbaren Milchprodukten auch Milchbestandteile für die weitere Verarbeitung her. Dazu gehören unter anderem Milchpulver und Molkenpulver. Zusätzlich handelt das Unternehmen mit Milchrohstoffen.

Damit ist Almil nicht ausschließlich ein Hersteller von Markenprodukten, sondern zugleich Teil der industriellen Verarbeitungskette für Milch.

Hochwald gab Standort zunächst ab

Eine wichtige Rolle in der Geschichte von Almil spielt der Molkereikonzern Hochwald Foods. Die Marke Bärenmarke gehört seit 2004 zu Hochwald.

Auch der Standort Weiding war ursprünglich dem Hochwald-Umfeld zuzurechnen. Der Konzern wollte sich jedoch von dem Werk zurückziehen.

Im Jahr 2018 übernahm schließlich die Almil AG den Standort von Hochwald. Damals ging es um den Erhalt von rund 120 Arbeitsplätzen.

Die Übernahme sollte dem Werk damit eine neue Perspektive geben. Doch bereits zwei Jahre später veränderten sich die Eigentumsverhältnisse erneut.

Zum 1. Januar 2020 stieg Hochwald wieder bei Almil ein und übernahm die Mehrheit an dem Unternehmen. Seitdem wird Bärenmarke über die Mehrheitsbeteiligung von Hochwald an Almil vertrieben.

Aus dem einstigen Rückzug des Konzerns wurde damit eine erneute enge Verbindung zwischen beiden Unternehmen.

Jetzt steckt auch Hochwald im Umbau

Die Insolvenz von Almil trifft auf eine Phase, in der sich auch der Mutterkonzern selbst neu aufstellt.

Hochwald hatte erst Mitte August 2026 angekündigt, sein Werk in Kaiserslautern zu schließen. Dort stehen nach den vorliegenden Angaben rund 80 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Als Grund für die Schließung nannte eine Sprecherin von Hochwald Foods die fehlende Rentabilität des Standorts.

Damit stehen innerhalb kurzer Zeit zwei Produktionsstandorte beziehungsweise Unternehmensbereiche aus dem Hochwald-Umfeld unter erheblichem Druck.

Während in Kaiserslautern bereits eine konkrete Werksschließung angekündigt wurde, geht es bei Almil zunächst um die Sanierung eines insolventen Unternehmens.

Die Parallelen sind dennoch auffällig: In beiden Fällen steht die Frage im Mittelpunkt, welche Produktionsstandorte unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen noch rentabel betrieben werden können.

Hochwald ist ein Schwergewicht der deutschen Milchbranche

Die Entwicklung ist auch deshalb relevant, weil Hochwald zu den großen deutschen Molkereikonzernen gehört.

Das Unternehmen kommt nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von 6,7 Prozent und gehört damit zu den bedeutenden Akteuren der deutschen Milchindustrie.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Hochwald einen Rekordumsatz von 2,034 Milliarden Euro.

Auch die verarbeitete Milchmenge bewegt sich auf einem enormen Niveau. Die Milchanlieferung belief sich 2025 auf rund 2,31 Milliarden Kilogramm.

Diese Zahlen zeigen die Größenordnung des Konzerns. Umso bemerkenswerter ist es, dass Hochwald gleichzeitig einzelne Standorte auf ihre wirtschaftliche Zukunft überprüft und sich von nicht rentablen Produktionskapazitäten trennt.

200 Millionen Euro fließen in anderen Standort

Während Hochwald in Kaiserslautern eine Schließung plant und Almil um seine Zukunft kämpft, investiert der Konzern an anderer Stelle massiv.

Für das Werk in Mechernich sind nach eigenen Angaben Investitionen von rund 200 Millionen Euro vorgesehen.

Das verdeutlicht die strategische Richtung des Unternehmens: Produktionskapazitäten werden offenbar nicht pauschal erhalten, sondern auf ihre wirtschaftliche und langfristige Bedeutung überprüft.

Standorte mit ausreichender Perspektive werden ausgebaut, während andere Werke unter Rentabilitätsdruck geraten können.

Für Almil bleibt damit entscheidend, ob der Standort Weiding im Rahmen der Sanierung eine solche Perspektive entwickeln kann.

Was jetzt für Almil entscheidend wird

Mit dem Antrag vom 18. August 2026 beginnt für das Allgäuer Alpenmilchwerk eine entscheidende Phase. Zunächst läuft die Produktion weiter, der Vorstand bleibt im Amt und ein Sachwalter überwacht das Verfahren.

Kurzfristig stehen damit vor allem die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und die Sicherung der Finanzierung im Mittelpunkt.

Langfristig muss Almil jedoch zeigen, dass der Standort wirtschaftlich tragfähig ist. Dabei geht es nicht nur um die Produktion von Bärenmarke-Kondensmilch. Entscheidend sind vielmehr die gesamte Produktpalette, die Kostenstruktur, die Auslastung des Werks und die Einbindung in das Geschäft von Hochwald.

Für die 110 Beschäftigten bedeutet das: Ihre Arbeitsplätze sind zunächst nicht verloren, aber die endgültige Zukunft des Standorts ist weiterhin offen.

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