Die Wanderungsbilanz verliert deutlich an Schwung
Deutschlands Wanderungsbilanz hat sich 2025 spürbar abgeschwächt. Unter dem Strich kamen nur noch 235.000 Menschen mehr ins Land, als Deutschland verließen. Im Vorjahr hatte der Nettozuzug noch bei 430.000 gelegen. Das entspricht einem Rückgang von 45 Prozent. Gleichzeitig erreichte die Zahl der auswandernden Deutschen einen neuen Höchststand. Damit zeigt sich ein doppelter Trend: Die Zuwanderung verliert an Dynamik, während immer mehr Bundesbürger ihre Koffer packen.
Diese Entwicklung ist politisch und gesellschaftlich brisant. Denn sie verändert nicht nur statistische Größen, sondern wirft Fragen nach Attraktivität, Arbeitsmarkt, Migrationsdruck und innerer Stabilität auf. Deutschland wächst zwar weiter durch Zuwanderung, aber deutlich langsamer als zuvor. Und bei den Deutschen selbst ist die Nettoabwanderung längst keine Randerscheinung mehr, sondern ein seit Jahren sichtbares Muster.
So viele Deutsche gingen wie nie zuvor
Besonders auffällig ist der Blick auf die deutschen Staatsangehörigen. Im Jahr 2025 zogen 288.579 Deutsche ins Ausland. Das ist der höchste jemals registrierte Wert. Der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2016 mit rund 281.000 Fortzügen wurde damit übertroffen.
Allerdings steckt hinter dieser Zahl nicht nur die klassische endgültige Auswanderung. Dazu zählen auch Menschen, die für einige Jahre ins Ausland gehen, etwa:
- Studierende und Promovierende an Universitäten im EU-Ausland
- Handwerker, die zeitweise in der Schweiz oder in Skandinavien arbeiten
- sogenannte Expats, die für internationale Konzerne für einige Jahre versetzt werden
Trotzdem bleibt der Befund eindeutig: Deutschland verliert unterm Strich mehr eigene Staatsbürger, als zurückkehren.
Der Wanderungsverlust der Deutschen wächst weiter
Denn den 288.579 Fortzügen deutscher Staatsbürger standen 191.890 Rückzüge nach Deutschland gegenüber. Daraus ergibt sich für 2025 ein negativer Wanderungssaldo von 96.689 Deutschen. Im Jahr zuvor hatte dieser Verlust noch bei 80.879 gelegen.
Damit hat sich die Nettoabwanderung deutscher Staatsbürger erneut verschärft. Nur in einem einzigen Jahr seit Bestehen der Statistik lag der Verlust noch höher, nämlich 2016 mit 135.364. Allerdings spielte damals eine methodische Änderung eine wichtige Rolle. Seit 2016 gelten auch jene Deutschen als Auswanderer, die sich in Deutschland abmelden, ohne sich an einer neuen Adresse im Inland anzumelden. Vorher wurden nur Personen gezählt, die sich ausdrücklich mit neuer Auslandsadresse abmeldeten.
Unabhängig von dieser Statistikfrage bleibt jedoch ein klarer Langfristtrend bestehen: Seit 2005 wandern mehr Deutsche aus als nach Deutschland zurückkehren.
Schweiz, Österreich und Spanien bleiben die wichtigsten Ziele
Bei den bevorzugten Zielländern zeigt sich ein vertrautes Bild. Die beliebtesten Auswanderungsländer deutscher Staatsbürger waren 2025:
- Schweiz mit 23.000 Fortzügen
- Österreich mit 14.000
- Spanien mit 10.000
Gerade die Schweiz bleibt für viele Deutsche besonders attraktiv, sei es wegen höherer Löhne, guter Arbeitsbedingungen oder der räumlichen Nähe. Österreich und Spanien folgen mit deutlichem Abstand, aber ebenfalls konstant hoher Bedeutung.
Die Gesamtzuwanderung sinkt deutlich
Trotz der hohen Auswanderung deutscher Staatsbürger bleibt Deutschland ein Einwanderungsland. Doch der Überschuss fällt spürbar kleiner aus. 2025 wurden rund 1,48 Millionen Zuzüge und 1,25 Millionen Fortzüge über die Grenzen Deutschlands registriert. Im Jahr zuvor waren es noch rund 1,69 Millionen Zuzüge und 1,26 Millionen Fortzüge.
Das bedeutet:
- 13 Prozent weniger Zuzüge als 2024
- knapp 2 Prozent weniger Fortzüge
- Nettozuwanderung nur noch 235.000 statt 430.000
Damit verliert Deutschland einen erheblichen Teil jener Zuwanderungsdynamik, die das Land in den vergangenen Jahren stark geprägt hat.
Syrien, Türkei und Afghanistan mit drastischem Rückgang
Eine der wichtigsten Ursachen für die schwächere Bilanz liegt in der gesunkenen Zuwanderung aus den wichtigsten Herkunftsländern von Asylsuchenden. Besonders deutlich fielen die Rückgänge bei folgenden Staaten aus:
- Syrien: minus 67 Prozent, von 75.000 auf 25.000
- Türkei: minus 41 Prozent, von 41.000 auf 24.000
- Afghanistan: minus 41 Prozent, von 33.000 auf 19.000
Auch die Asylstatistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge verzeichnete 2025 erheblich weniger Asylanträge aus diesen Ländern. Das zeigt, dass der Rückgang nicht bloß statistischer Zufall ist, sondern mit einer real sinkenden Zuwanderung zusammenhängt.
Auch aus der Ukraine kommen weniger Menschen
Zusätzlich ging die Nettozuwanderung aus der Ukraine erneut zurück. Sie sank um 21 Prozent, von 121.000 auf 96.000. Zwar stellen ukrainische Geflüchtete keinen klassischen Asylantrag, sondern erhalten vorübergehenden Schutz. Dennoch wirkt sich auch dieser Rückgang stark auf die Gesamtbilanz aus.
Die großen Zuzugswellen der vergangenen Jahre verlieren damit weiter an Kraft. Deutschland verzeichnet zwar weiterhin Nettozuwanderung, aber die großen Herkunftsgruppen tragen deutlich weniger stark dazu bei als zuvor.
Selbst aus der EU kommen unter dem Strich weniger Menschen
Eine weitere Ursache für den Rückgang ist die weiter sinkende Zuwanderung aus den Staaten der Europäischen Union. 2025 lag der Wanderungssaldo Deutschlands mit der EU bei minus 54.000 Personen. Besonders stark verschlechterte sich der Saldo gegenüber:
- Polen: minus 6.000
- Bulgarien: minus 3.000
- Spanien, Kroatien, Griechenland, Italien: jeweils minus 2.000
Die größten Wanderungsdefizite gegenüber Deutschland gab es bei Polen mit minus 17.000 und Bulgarien mit minus 14.000. Eine Verbesserung gab es nur bei wenigen Ländern, etwa bei den Niederlanden und Rumänien mit jeweils plus 1.000. Den höchsten positiven Saldo innerhalb der EU verzeichnete Italien mit plus 4.000.
Asien bleibt der wichtigste Herkunftsraum
Trotz aller Rückgänge kommt der stärkste Beitrag zur Nettozuwanderung weiterhin aus Asien. Dort lag der Saldo bei plus 158.000 Personen. Dahinter folgen:
- Europa mit plus 85.000
- Afrika mit plus 54.000
Diese Zahlen zeigen, dass Deutschland weiterhin deutlich mehr Menschen anzieht als verliert. Aber die Zusammensetzung und das Tempo dieser Entwicklung verändern sich spürbar.
Auch innerhalb Deutschlands verschieben sich die Gewichte
Nicht nur über die Grenzen hinweg, auch innerhalb Deutschlands gab es 2025 erhebliche Bewegungen. Insgesamt wurden 996.000 Wanderungen über die Grenzen der Bundesländer registriert. Das waren 8.000 beziehungsweise 1 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die größten Wanderungsgewinne hatten:
- Brandenburg mit plus 9.000
- Bayern mit plus 8.000
- Schleswig-Holstein mit plus 8.000
Die größten Verluste verzeichneten:
- Berlin mit minus 12.000
- Thüringen mit minus 6.000
- Nordrhein-Westfalen mit minus 5.000
Damit zeigt sich auch im Inland eine deutliche Verschiebung von Wohn- und Arbeitsstandorten.