Tankrabatt bringt Diesel kaum volle Entlastung

Ölpreis entscheidet über neue Spritkosten

Entlastung endet mit gemischter Bilanz

Der Tankrabatt der Bundesregierung läuft Ende Juni aus. Nach einer Untersuchung des ifo-Instituts ist die Maßnahme zwar an vielen Zapfsäulen sichtbar geworden, sie hat die Verbraucher aber nicht vollständig erreicht. Besonders deutlich zeigt sich das beim Diesel.

Der steuerliche Nachlass lag dort bei 16,7 Cent je Liter. Tatsächlich waren Dieselpreise in Deutschland am 26. Juni aber nur rund zwölf Cent je Liter niedriger als vergleichbare Preise an ausländischen Tankstellen ohne Rabatt. Damit blieb ein relevanter Teil der Entlastung außerhalb der direkten Wirkung für Autofahrer.

Das ifo-Institut formulierte die Bilanz entsprechend vorsichtig: Der Tankrabatt habe die Autofahrerinnen und Autofahrer „größtenteils erreicht, aber nicht vollständig“.

Superbenzin schneidet deutlich besser ab

Bei Benzin fiel das Ergebnis überzeugender aus. Super E5 war in Deutschland am 26. Juni um 17 Cent je Liter günstiger als die Vergleichswerte aus dem Ausland. Bei Super E10 betrug der Abstand 16 Cent je Liter.

Damit wurde der Tankrabatt beim Superbenzin nahezu komplett an die Kundinnen und Kunden weitergereicht. Beim Diesel dagegen lag die Weitergabe nur bei rund 73 Prozent. Diese Differenz ist politisch heikel, weil der Staat auf Einnahmen verzichtete, ohne dass die gesamte Entlastung bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankam.

Gerade Diesel-Fahrer mussten damit erleben, dass ein staatlicher Rabatt nicht automatisch vollständig an der Zapfsäule landet.

Vergleich mit Frankreich soll Verzerrungen vermeiden

Für seine Berechnung nutzte das ifo-Institut einen Vergleich mit den Kraftstoffpreisen in Frankreich. Dadurch sollte besser erkennbar werden, welche Preisbewegungen tatsächlich auf den deutschen Tankrabatt zurückgehen und welche durch normale Marktentwicklungen entstanden sind.

Denn Benzin- und Dieselpreise verändern sich auch ohne staatliche Eingriffe. Sinkende Ölpreise, schwankende Raffineriekosten, Transportaufwand, regionale Nachfrage und Wettbewerb zwischen Anbietern können die Preise ebenfalls beeinflussen.

Der Frankreich-Vergleich war deshalb wichtig, um den Rabatt-Effekt nicht mit allgemeinen Preisrückgängen am Markt zu verwechseln.

ifo-Experte benennt die Lücke

Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, erklärte: „Damit wurde der Tankrabatt beim Superbenzin nahezu vollständig an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben, beim Diesel lag die Weitergabe bei rund 73 Prozent.“

Seine Aussage macht deutlich, wo das Problem liegt. Während Benzinpreise fast im Umfang des Rabatts sanken, kam beim Diesel nur ein Teil der steuerlichen Entlastung an. Für die politische Bewertung ist das entscheidend, denn der Tankrabatt sollte eigentlich schnell und direkt gegen hohe Kraftstoffpreise wirken.

Neumeier sagte außerdem: „Ohne den Tankrabatt hätte der Preis für den Liter Superbenzin noch den gesamten Juni hindurch im Tagesdurchschnitt wohl über zwei Euro gelegen.“

Monopolkommission sieht regionale Unterschiede

Auch die Monopolkommission hatte bereits Mitte Juni festgestellt, dass der Tankrabatt zwar überwiegend, aber nicht vollständig weitergegeben wurde. Auffällig war vor allem, dass die Entlastung regional unterschiedlich stark ausfiel.

Im Nordwesten Deutschlands sanken die Preise am deutlichsten. Im Süden war der Rückgang dagegen am schwächsten. Diese Unterschiede sprechen dafür, dass die Marktstruktur nicht überall gleich funktioniert.

Die Kommission verwies in diesem Zusammenhang auf ein „Wettbewerbsproblem auf der vorgelagerten Marktstufe“. Damit geraten nicht nur Tankstellen in den Blick, sondern auch frühere Handels- und Lieferstufen im Kraftstoffmarkt.

Ende des Rabatts dürfte Preise anheben

Mit dem Auslaufen der Maßnahme müssen Autofahrer wieder mit steigenden Spritpreisen rechnen. Der steuerliche Dämpfer fällt weg, sodass Benzin und Diesel grundsätzlich teurer werden können.

Wie stark der Preisanstieg ausfällt, hängt jedoch wesentlich vom Rohölmarkt ab. Besonders wichtig bleibt die Lage am Persischen Golf und an der Straße von Hormus. Diese Route ist für den internationalen Öltransport von großer Bedeutung.

Bleibt die Lage dort angespannt oder kommt es zu Blockaden, kann Rohöl schnell teurer werden. Entspannt sich die Situation, könnten die Kraftstoffpreise dagegen weniger stark steigen oder sogar weiter nachgeben.

Brent schwankt zwischen Krise und Entspannung

Ramona Schmid vom ifo-Institut sagte zur weiteren Entwicklung: „Wie hoch es geht, wird vor allem von der Entwicklung des Ölpreises abhängen.“ Zudem erklärte sie: „Da dieser zuletzt gesunken ist, haben auch die Kraftstoffpreise nachgegeben.“

Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent liegt derzeit bei knapp 73 Dollar. Damit ist Rohöl sogar günstiger als zu Beginn des Krieges. Während der direkten Kampfhandlungen wurden zeitweise mehr als 110 Dollar je Fass gezahlt. Zum Jahreswechsel lag Brent bei knapp 62 Dollar je Fass.

Diese Spanne zeigt, wie empfindlich der Ölmarkt auf geopolitische Nachrichten reagiert. Für Autofahrer bedeutet das eine unsichere Lage: Der Spritpreis kann sich schnell verändern, wenn neue Meldungen aus der Krisenregion kommen.

Staat zahlte Milliarden für begrenzten Effekt

Für den Staat war der Tankrabatt ein kostspieliges Instrument. Die ifo-Forscher beziffern die Kosten auf rund 1,6 Milliarden Euro. Eingeführt wurde die Maßnahme im Mai, nachdem die Kraftstoffpreise infolge des Iran-Kriegs stark gestiegen waren.

Christian Gréus vom ifo-Zentrum für Finanzwissenschaft sagte: „Es war eine teure Maßnahme, die den Staat rund 1,6 Milliarden Euro gekostet hat.“ Besonders kritisch bewertete er die Diesel-Wirkung: „Die unvollständige Weitergabe beim Diesel bedeutet, dass ein Teil davon bei den Mineralölkonzernen gelandet ist.“

Sollte es zwischen den USA und dem Iran tatsächlich zu einer Einigung kommen, könnten sich die Kraftstoffpreise wieder stärker normalisieren. Der Tankrabatt endet damit in einer Phase, in der nicht mehr die Steuerpolitik allein entscheidet, sondern vor allem der Ölpreis.

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