F126-Stopp reißt Rheinmetall-Aktie nach unten

TKMS steht vor einem Auftrag über Milliarden Euro

Das endgültige Aus für das problemgeplagte Fregattenprogramm F126 hat den Aktienkurs von Rheinmetall schwer getroffen. Das Wertpapier des Rüstungskonzerns verlor am Mittwochnachmittag fast 18 Prozent und fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr. Im Tagesverlauf näherte sich das Minus zeitweise sogar 20 Prozent.

Das Bundesverteidigungsministerium will die geplanten sechs F126-Fregatten nicht mehr beschaffen. An ihre Stelle sollen bis zu acht Schiffe des Typs Meko A-200 von Thyssenkrupp Marine Systems, kurz TKMS, treten. Während Rheinmetall dadurch erhebliche künftige Umsätze verliert, winkt TKMS ein Gesamtauftrag über 11,6 Milliarden Euro.

Verteidigungsministerium beendet das F126-Programm

Die Bundeswehr hatte die sechs F126-Fregatten im Juni 2020 bestellt. Für die neuen Kriegsschiffe waren ursprünglich rund zehn Milliarden Euro eingeplant. Seit der Auftragsvergabe wurde das Vorhaben jedoch von Verzögerungen, finanziellen Unsicherheiten und organisatorischen Problemen überschattet.

Das Ministerium begründete den Abbruch mit „den erheblichen Verzögerungen im Projekt, den absehbaren Kostensteigerungen und Risiken, die mit einem Generalunternehmerwechsel einhergegangen waren“.

Die Entscheidung beendet damit ein Vorhaben, das für die Modernisierung der Deutschen Marine eine zentrale Rolle spielen sollte. Ein erheblicher finanzieller Schaden ist bereits entstanden: Bislang wurden für das F126-Projekt etwa 2,3 Milliarden Euro ausgegeben.

Aus zehn wären 18 Milliarden Euro geworden

Ursprünglich sollte die niederländische Werft Damen Naval als Generalunternehmer für den Bau verantwortlich sein. Wegen der anhaltenden Schwierigkeiten prüfte die Bundesregierung später, ob Naval Vessels Lürssen diese Aufgabe übernehmen könnte.

Die Untersuchung brachte jedoch ein alarmierendes Ergebnis. Bei einem solchen Wechsel wären die Kosten des Programms voraussichtlich von zehn Milliarden Euro auf etwa 18 Milliarden Euro gestiegen. Der Bund hätte demnach mit zusätzlichen Ausgaben von rund acht Milliarden Euro rechnen müssen.

Noch schwerer wog, dass Deutschland bei einem Wechsel „auf mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber dem bisherigen Auftragnehmer verzichten müssen“ hätte. Das Verteidigungsministerium sah darin keinen „verantwortungsvollen Umgang mit Haushaltsmitteln“.

Damit erschien eine Fortsetzung aus Sicht der Regierung finanziell kaum noch vertretbar. Der Abbruch verhindert zwar weitere Kostensteigerungen, macht die bereits ausgegebenen 2,3 Milliarden Euro jedoch zu einer besonders schmerzhaften Belastung.

Rheinmetalls Marinepläne geraten ins Wanken

Die Entscheidung trifft Rheinmetall unmittelbar. Der Konzern hatte Naval Vessels Lürssen erst vor Kurzem übernommen und damit einen weitreichenden Einstieg in den Bau militärischer Überwasserschiffe vollzogen.

Mit dieser Übernahme verband sich die Erwartung, am F126-Projekt und an weiteren Marineprogrammen umfangreich beteiligt zu werden. Nach dem Stopp der sechs Fregatten entfällt nun ein milliardenschweres Geschäft, das über viele Jahre Umsätze hätte liefern können.

Die Anleger reagierten mit einem massiven Ausverkauf:

  • Die Aktie verlor zunächst bis zu 13 Prozent
  • Am Nachmittag wuchs das Minus auf knapp 18 Prozent
  • Der Kurs sank auf ein Tief seit mehr als einem Jahr
  • Milliarden Euro an Börsenwert wurden vorübergehend vernichtet

David Perry, Analyst bei JPMorgan, wertete die Entwicklung als größeren Rückschlag für Rheinmetall. Der Konzern muss nun zeigen, wie er seine neu aufgebaute Marinesparte ohne das F126-Großprojekt auslasten will.

TKMS erhält Aussicht auf acht neue Fregatten

Als klarer Gewinner der Neuordnung gilt TKMS. Zunächst plant die Bundesregierung den Kauf von vier Meko-A-200-Fregatten für insgesamt 6,3 Milliarden Euro.

Für vier weitere Einheiten ist eine Option über 5,3 Milliarden Euro vorgesehen. Wird diese vollständig genutzt, umfasst das Geschäft:

  • insgesamt acht Meko-A-200-Fregatten
  • ein Auftragsvolumen von 11,6 Milliarden Euro
  • durchschnittlich etwa 1,45 Milliarden Euro pro Schiff
  • eine geplante erste Lieferung im Jahr 2029

Die Aussicht auf dieses Großgeschäft ließ die TKMS-Aktie im MDax deutlich steigen. Die Börse verteilte Gewinner und Verlierer damit innerhalb weniger Stunden neu: Rheinmetall stürzte ab, während TKMS kräftig zulegte.

Schiffbauer arbeitet bereits an der Vorbereitung

Nach Angaben von TKMS-Chef Oliver Burkhard liefen die ersten Vorarbeiten bereits seit Februar 2026. Das erste Schiff soll 2029 an die Marine übergeben werden.

Einen vollständigen Zeitplan für sämtliche Einheiten legte das Unternehmen bislang nicht vor. Offen bleibt daher, wann die Bundeswehr alle acht Fregatten erhalten könnte und wie schnell die Produktionskapazitäten dafür aufgebaut werden können.

Beim F126-Programm war die Ablieferung des ersten Schiffes ursprünglich für 2028 vorgesehen. Die übrigen Einheiten sollten bis 2033 folgen. Mit der Meko A-200 könnte die erste Lieferung somit ein Jahr später erfolgen als beim ursprünglichen Plan. Dafür erwartet die Regierung offenbar besser kalkulierbare Kosten und geringere Projektrisiken.

Kompaktere Schiffe ersetzen die geplanten Giganten

Die neue Fregattenklasse fällt deutlich kleiner aus. Die Meko A-200 ist ungefähr 120 Meter lang. Die gestrichene F126 hätte dagegen eine Länge von 166 Metern erreicht und wäre damit der größte Schiffstyp der Deutschen Marine geworden.

Trotz der unterschiedlichen Abmessungen sollen beide Modelle hauptsächlich zur U-Boot-Jagd eingesetzt werden. Dazu gehören die Ortung gegnerischer Unterseeboote, der Schutz eigener Verbände sowie die Sicherung wichtiger See- und Versorgungswege.

Kleinere Schiffe können bei Reichweite, Zuladung und Einsatzdauer Einschränkungen aufweisen. Gleichzeitig könnten standardisierte und bereits erprobte Konstruktionen schneller verfügbar und finanziell leichter beherrschbar sein.

Deutsche Marine braucht dringend neue Schiffe

Die Marine verfügt derzeit lediglich über sieben Fregatten aus zwei älteren Klassen. Bis 2035 soll der Bestand nach bisheriger Planung auf 15 Fregatten steigen und sich damit mehr als verdoppeln.

Zusätzlich zum Meko-Programm ist weiterhin der Kauf von sechs Fregatten des Typs F127 vorgesehen. Diese Schiffe sollen vor allem für die Luftverteidigung ausgelegt werden. Das Ministerium machte allerdings keine Angaben dazu, ob das F127-Projekt nach dem F126-Aus unverändert fortgeführt wird.

Ostsee gewinnt militärisch an Bedeutung

Der Ausbau der Flotte steht im Zusammenhang mit der verschärften Sicherheitslage in Europa. Im Fall einer russischen Aggression wäre die Ostsee für die Verteidigung des NATO-Gebiets von entscheidender Bedeutung.

Deutsche Fregatten sollen dort Seewege schützen, U-Boote verfolgen, militärische Verbände begleiten und kritische Infrastruktur absichern. Deshalb zählt die Beschaffung neuer Schiffe zu den wichtigsten Rüstungsprojekten Deutschlands. Der Wechsel von der F126 zur Meko A-200 verändert nicht nur die beteiligten Unternehmen, sondern auch die langfristige Struktur der deutschen Marine.

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