Dollar-Stärke erschüttert die Rohstoffmärkte

Neue Zinsangst bringt Euro und Gold ins Rutschen

Der US-Dollar steigt mit hohem Tempo und setzt andere Währungen sowie wichtige Rohstoffe massiv unter Druck. Der Dollar-Index erreichte den höchsten Stand seit 13 Monaten. Gleichzeitig fiel der Euro auf ein neues Tief, während Gold und Rohöl weitere empfindliche Verluste verbuchten.

Auslöser sind die stark gestiegenen Erwartungen an eine erneute Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Zusätzlich verstärkt der jüngste Kurssturz bei Technologieaktien die Suche nach vergleichsweise sicheren Anlagen. Viele Investoren ziehen Kapital aus riskanteren Märkten ab und parken es im Dollar.

US-Währung steigt auf 101,69 Punkte

Der Dollar-Index gewann in der Spitze 0,3 Prozent und erreichte 101,69 Punkte. Damit stand er so hoch wie seit Mai 2025 nicht mehr. Das Barometer bildet die Entwicklung des Dollars gegenüber mehreren wichtigen internationalen Währungen ab.

Im frühen europäischen Handel lag der Index noch 0,1 Prozent höher bei 101,55 Punkten. Die Bewegung zeigt, dass die Nachfrage nach der amerikanischen Währung trotz der erheblichen Kursgewinne nicht abreißt.

Ray Attrill, Devisenstratege bei der National Australia Bank, erklärte: „Der US-Dollar ist nach wie vor der bevorzugte sichere Hafen.“

Neben seiner Funktion als Zufluchtswährung profitiert der Dollar von den veränderten Zinsaussichten. Höhere Leitzinsen können amerikanische Anleihen attraktiver machen und zusätzliches Kapital in die USA lenken.

Wetten auf höhere Zinsen vervielfachen sich

Die Einschätzung der Geldpolitik hat sich innerhalb weniger Tage drastisch verschoben. Das FedWatch-Tool der CME-Börse zeigt, wie stark die Marktteilnehmer ihre Erwartungen korrigiert haben.

Für eine Zinserhöhung im Juli 2026 wird inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 36 Prozent eingepreist. In der Vorwoche waren es lediglich neun Prozent. Damit hat sich die Erwartung innerhalb kurzer Zeit vervierfacht.

Für September 2026 ist der Umschwung noch deutlicher:

  • Die Wahrscheinlichkeit lag zuvor bei 29 Prozent
  • Inzwischen werden mehr als 70 Prozent eingepreist
  • Eine Zinserhöhung gilt damit als überwiegend wahrscheinlich
  • Hoffnungen auf bald sinkende US-Zinsen schwinden erheblich

Eine weitere Straffung der Geldpolitik könnte Kredite verteuern und die Konjunktur belasten. Zugleich würden verzinsliche Anlagen gegenüber Gold und Aktien an Attraktivität gewinnen.

Euro verliert deutlich an Boden

Der steigende Dollar drückte den Euro um 0,4 Prozent auf 1,134 US-Dollar. Für die europäische Gemeinschaftswährung war dies der niedrigste Stand seit mehr als einem Jahr.

Die Abwertung kann zwar exportorientierten Unternehmen aus der Eurozone helfen, weil ihre Produkte auf internationalen Märkten günstiger werden. Bei Importen entsteht jedoch der gegenteilige Effekt. Waren, die in US-Dollar abgerechnet werden, verteuern sich aus europäischer Sicht.

Das betrifft unter anderem Energie, Metalle, industrielle Rohstoffe und zahlreiche Vorprodukte. Dadurch kann ein schwacher Euro den Rückgang der internationalen Rohstoffpreise teilweise ausgleichen und die erhoffte Entlastung für Verbraucher begrenzen.

Sollten die US-Zinsen tatsächlich steigen, während die Geldpolitik in Europa unverändert bleibt, könnte sich der Renditevorsprung amerikanischer Anlagen weiter vergrößern. Der Euro würde dadurch zusätzlichen Gegenwind erhalten.

Gold verliert trotz Börsenangst an Wert

Üblicherweise gilt Gold in unruhigen Marktphasen als Schutzanlage. Diesmal kann das Edelmetall von der Nervosität jedoch nicht profitieren. Die New Yorker Futures verloren im frühen europäischen Handel 1,2 Prozent und fielen auf 4.098,70 US-Dollar je Feinunze.

Der starke Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten teurer. Gleichzeitig erhöhen steigende Marktzinsen die Konkurrenz durch Staatsanleihen und andere verzinsliche Wertpapiere. Gold selbst wirft weder Zinsen noch Dividenden ab.

Die Kombination aus Wechselkursdruck und Zinsangst zwingt daher zahlreiche Investoren zur Neubewertung ihrer Positionen. Selbst die Verunsicherung an den Aktienmärkten reicht gegenwärtig nicht aus, um eine stärkere Nachfrage nach dem Edelmetall auszulösen.

Kritische Unterstützung wird bereits getestet

Die Analysten der Saxo Bank sehen zumindest einen begrenzten stabilisierenden Faktor. Sie erklärten: „Eine begrenzte Unterstützung kam von steigenden Staatsanleihen, da niedrigere Energiepreise die Inflationssorgen lindern.“

Dennoch bleibt die technische Lage angespannt. Zugleich „belastet die ungewöhnlich starke positive Korrelation von Gold mit dem S&P 500 weiterhin die Preise und drückt das Metall in die wichtige Unterstützungszone von 4.000 bis 4.100 US-Dollar.“

Mit einem Kurs von 4.098,70 US-Dollar je Feinunze ist Gold bereits in diese entscheidende Zone gefallen. Sollte auch die Marke von 4.000 US-Dollar nicht halten, könnten automatische Verkaufsaufträge und weitere Gewinnmitnahmen den Rückgang beschleunigen.

Rohöl fällt Richtung Viermonatstief

Auch die Ölmärkte stehen unter erheblichem Abgabedruck. Die Preise der beiden wichtigsten Rohölsorten bewegten sich in Richtung ihrer tiefsten Werte seit rund vier Monaten.

Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 0,9 Prozent auf 76,38 US-Dollar. Das amerikanische WTI-Öl verlor 1,0 Prozent und fiel auf 72,50 US-Dollar je Barrel. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Die aktuellen Werte im Überblick:

  • Brent: 76,38 US-Dollar je Barrel
  • WTI: 72,50 US-Dollar je Barrel
  • Brent-Verlust: 0,9 Prozent
  • WTI-Verlust: 1,0 Prozent

Für Unternehmen und private Haushalte könnten niedrigere Energiepreise eine Entlastung darstellen. Ölkonzerne und Förderstaaten müssen dagegen mit sinkenden Erlösen rechnen.

Entspannung am Persischen Golf belastet Öl

Händler führen die erneuten Preisverluste vor allem auf Fortschritte im Konflikt mit dem Iran zurück. Nach einer Einigung könnten wieder mehr Öltanker die Straße von Hormus durchqueren.

Durch diese strategisch wichtige Meerenge wird ein bedeutender Teil des weltweiten Ölhandels transportiert. Politische oder militärische Spannungen treiben deshalb regelmäßig einen Risikoaufschlag in die Preise.

Eine Normalisierung des Schiffsverkehrs würde die Gefahr akuter Lieferausfälle verringern. Marktteilnehmer rechnen daher mit einer zuverlässigeren Versorgung und reduzieren den zuvor bezahlten Krisenaufschlag. Gemeinsam mit dem starken Dollar drückt diese Entwicklung die Ölpreise weiter nach unten.

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