Abbvie sichert sich Apogee für 10,9 Milliarden

Großübernahme verändert den Pharmamarkt

Der US-amerikanische Pharmakonzern Abbvie verstärkt sein Geschäft mit Medikamenten gegen entzündliche und immunologische Erkrankungen. Das Unternehmen übernimmt Apogee Therapeutics für insgesamt 10,9 Milliarden US-Dollar. Im Mittelpunkt des Geschäfts steht ein fortgeschrittener Wirkstoff zur Behandlung von Neurodermitis.

Abbvie will für jede Apogee-Aktie „135,11 US-Dollar je Aktie in bar“ bezahlen. Das Angebot liegt 49 Prozent über dem letzten relevanten Schlusskurs von 90,38 Dollar. Damit zahlt der Pharmakonzern eine erhebliche Übernahmeprämie, um sich die Entwicklungsprojekte des Biotechnologieunternehmens zu sichern.

Pro Anteilsschein ergibt sich gegenüber dem Schlusskurs eine Differenz von 44,73 Dollar. Für die bisherigen Aktionäre von Apogee ist die geplante Transaktion daher mit einem deutlichen Wertzuwachs verbunden.

Anleger treiben die Aktie kräftig nach oben

Die Bekanntgabe löste bereits vor dem regulären Handelsbeginn eine außergewöhnliche Kursreaktion aus. Die Aktie von Apogee Therapeutics stieg zum Wochenauftakt vorbörslich um annähernd 52 Prozent und erreichte 136,96 Dollar.

Damit lag der Börsenkurs kurzfristig um 1,85 Dollar über dem von Abbvie angebotenen Kaufpreis. Nach dem rasanten Anstieg wurde der Handel ausgesetzt. Solche Unterbrechungen können bei kursrelevanten Nachrichten und besonders starken Preisschwankungen angeordnet werden.

Die deutliche Bewegung zeigt, dass der Markt zuvor nicht mit einem Angebot in dieser Größenordnung gerechnet hatte. Zugleich spiegelt der Kurs die Erwartung wider, dass die Übernahme zu den angekündigten Bedingungen vollzogen werden kann.

Zumilokibart ist der wichtigste Vermögenswert

Für Abbvie ist vor allem der experimentelle Wirkstoff Zumilokibart von Interesse. Das Medikament wird von Apogee für die Behandlung der mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis entwickelt.

Die atopische Dermatitis ist die häufigste Ausprägung der Neurodermitis. Typische Beschwerden sind entzündete Hautstellen, Trockenheit und intensiver Juckreiz. Bei schwereren Verläufen können die Symptome den Schlaf, den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Zumilokibart befindet sich momentan in klinischen Phase-3-Studien. Diese späte Entwicklungsstufe ist für ein neues Arzneimittel entscheidend. In größeren Untersuchungen wird geprüft, ob die Behandlung ausreichend wirksam ist und ob mögliche Nebenwirkungen vertretbar bleiben.

Positive Resultate könnten den Weg zu einem Zulassungsantrag öffnen. Eine behördliche Genehmigung ist jedoch auch in dieser fortgeschrittenen Phase keineswegs garantiert.

Konkurrenzkampf bei Neurodermitis nimmt zu

Bei einer erfolgreichen Markteinführung könnte Zumilokibart zu einem ernsthaften Wettbewerber von Dupixent werden. Das etablierte Medikament wird von Regeneron Pharmaceuticals und dem französischen Arzneimittelhersteller Sanofi vertrieben.

Dupixent wird bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, die mit entzündlichen Reaktionen des Immunsystems verbunden sind. Der Wirkstoff hat sich dadurch zu einem wirtschaftlich bedeutenden Produkt entwickelt. Ein neuer Konkurrent müsste deshalb nicht nur überzeugende medizinische Ergebnisse liefern, sondern auch Vorteile bei Verträglichkeit, Anwendung oder Behandlungsablauf bieten.

Der Markt für Therapien gegen chronisch-entzündliche Hauterkrankungen ist für Pharmakonzerne besonders attraktiv. Viele Patientinnen und Patienten benötigen langfristige Behandlungen. Zugleich besteht Bedarf an zusätzlichen Möglichkeiten, weil nicht jeder Mensch auf bereits zugelassene Arzneimittel gleich gut anspricht.

Abbvie verfügt bereits über Rinvoq

Mit Rinvoq ist Abbvie schon heute in diesem Therapiebereich vertreten. Das Blockbuster-Medikament besitzt Zulassungen für mehrere Autoimmunerkrankungen und kann ebenfalls bei Neurodermitis eingesetzt werden.

Durch Zumilokibart würde der Konzern sein Angebot um einen weiteren Ansatz ergänzen. Ein breiteres Arzneimittelportfolio kann Abbvie helfen, unterschiedliche medizinische Bedürfnisse abzudecken und seine Marktstellung gegenüber Sanofi und Regeneron auszubauen.

Gleichzeitig verringert eine größere Auswahl an Produkten die wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Präparaten. Für große Pharmaunternehmen ist dies wichtig, weil Patente nach einer bestimmten Laufzeit enden. Danach können Konkurrenzprodukte den Umsatz erfolgreicher Originalmedikamente unter Druck setzen.

Späte Entwicklungsphasen sind besonders wertvoll

Aussichtsreiche Wirkstoffe in Phase 3 erzielen bei Übernahmen häufig hohe Bewertungen. Im Vergleich zu frühen Forschungsprojekten wurden bereits zahlreiche Untersuchungen abgeschlossen. Dennoch bleiben erhebliche Risiken bestehen.

Sollte Zumilokibart die erwarteten Studienziele verfehlen, könnte sich der von Abbvie gezahlte Preis nachträglich als sehr hoch erweisen. Weitere Unsicherheiten ergeben sich aus möglichen Verzögerungen, Sicherheitsfragen, regulatorischen Vorgaben und der späteren Preisgestaltung.

Auch nach einer Zulassung wäre der kommerzielle Erfolg nicht automatisch gesichert. Krankenversicherungen und öffentliche Gesundheitssysteme prüfen, ob die Kosten eines neuen Medikaments im Verhältnis zu seinem zusätzlichen Nutzen stehen. Außerdem muss Abbvie Ärzte und Patienten von der neuen Therapie überzeugen.

Kaufpreis setzt ein deutliches Signal

Mit einem Gesamtvolumen von 10,9 Milliarden Dollar gehört die Übernahme zu den bedeutenden Transaktionen innerhalb der Pharmabranche. Der Aufschlag von 49 Prozent macht deutlich, wie stark der Wettbewerb um vielversprechende Medikamente geworden ist.

Abbvie erwirbt mit Apogee nicht nur einen einzelnen Arzneimittelkandidaten. Der Konzern gewinnt zusätzlich das wissenschaftliche Wissen, die bisherigen Studienergebnisse und die Entwicklungsstrukturen des Biotechunternehmens.

Für Apogee bedeutet die Vereinbarung den Übergang von einem spezialisierten Forschungsunternehmen unter das Dach eines international tätigen Pharmakonzerns. Abbvie wiederum erhält die Möglichkeit, Zumilokibart mit seinen finanziellen, klinischen und vertrieblichen Kapazitäten weiterzuentwickeln.

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